Wenn der AC-Lader streikt – und Customer Experience den Unterschied macht

Wenn der AC-Lader streikt – und Customer Experience den Unterschied macht

Ein persönlicher Erfahrungsbericht mit Audi e-tron GT RS und Volvo EX90

Ich schreibe normalerweise nicht über Autos oder technische Defekte. Elektromobilität ist für mich seit vielen Jahren Alltag – ich fahre seit rund acht Jahren ausschließlich Elektrofahrzeuge und hatte in dieser Zeit mehrere Modelle unterschiedlicher Premium-Hersteller.

Umso bemerkenswerter ist es, dass ich innerhalb von weniger als einem halben Jahr zweimal dasselbe Problem erlebt habe: einen Ausfall des AC-Ladesystems – zuerst beim Audi e-tron GT RS, nun beim Volvo EX90.

Da ich in beiden Fällen sehr direkt mit den jeweiligen Serviceprozessen konfrontiert war, möchte ich diese Erfahrungen teilen. Nicht als Technik-Bashing, sondern als ehrlichen Blick darauf, wie sich Mobilität im Problemfall anfühlt – und wo sich Marken tatsächlich unterscheiden.


Technischer Hintergrund: AC- vs. DC-Laden

Elektrofahrzeuge können mit Wechselstrom (AC) oder Gleichstrom (DC) geladen werden:

  • AC-Laden: Der Strom kommt aus der Wallbox und wird im Fahrzeug über den sogenannten Onboard Charger in Gleichstrom umgewandelt. Typische Leistung: 3,7–22 kW.
  • DC-Laden: Die Umwandlung erfolgt bereits in der Ladesäule, der Strom geht direkt in die Batterie. Deutlich schneller.

AC-Laden ist technisch anspruchsvoller, weil das Fahrzeug selbst die Umwandlung leisten muss. Genau hier sitzt auch die Komponente, die in beiden Fällen ausgefallen ist.


Die Ausgangssituation

In beiden Fällen zeigte sich dasselbe Muster:

  • Eine AC-Ladung funktionierte noch
  • Beim nächsten Versuch Abbruch bei ca. 50 %
  • Fehlermeldung „Ladesystem / Defekt“
  • AC-Laden nicht mehr möglich, DC teilweise weiterhin

Zunächst vermutete ich die Wallbox als Ursache. Tests mit verschiedenen Go-E-Chargern (unterschiedliche Generationen) zeigten jedoch:

  • Zuhause: nur 1–2 W Ladeleistung
  • An neueren Wallboxen: sogar −5 W (Stromfluss zurück ins Netz)

Damit war klar: Die Ursache liegt im Fahrzeug, nicht in der Infrastruktur.


Audi e-tron GT RS – Händler vs. Hersteller

Der Fehler trat auf, als der e-tron GT RS etwa 1,5 Jahre alt war und rund 34.000 km gefahren hatte.

Auf Händlerebene war der Ablauf korrekt, aber zäh:

  • wenig Transparenz
  • fragmentierte Kommunikation
  • Ersatzfahrzeuge wie Polo, Golf oder T-Roc
  • insgesamt rund 6 Wochen bis zur Lösung

Erst nachdem Audi direkt eingebunden wurde, änderte sich das Bild:

  • zentrale Koordination aus Ingolstadt
  • klare Zuständigkeiten
  • Ersatzfahrzeug: Q8 e-tron, passend zur Fahrzeugklasse

Eine Mitarbeiterin erklärte mir, dass Audi hierfür eine eigene, teils ausgelagerte Abteilung betreibt, die sich ausschließlich um Mobilität und Customer Experience kümmert. Diese Struktur funktioniert – aber sie greift erst nach Eskalation.

Im Vergleich zu Tesla, das Direktvertrieb und Direktservice nutzt, zeigt sich hier die klassische Hersteller-/Händler-Trennung: Sie kann sehr hochwertig sein – aber sie erzeugt zunächst Reibung.


Volvo EX90 – Der perfekte Start …

Beim Volvo trat der Fehler bereits bei etwa 1.500 km auf.

Ein Anruf bei der Hotline genügte:

  • Alle Daten wurden strukturiert aufgenommen
  • Zwei Lösungswege sofort aufgezeigt
  • Ersatzfahrzeug organisiert: Volvo EX90 Hybrid
  • Mein Fahrzeug wurde abgeholt und zum Händler gebracht

Der erste Eindruck: ruhig, klar, lösungsorientiert. Genau so, wie man es sich wünscht.


… und dann die Realität beim Händler (Update)

Nach rund einer Woche meldete sich erstmals der Volvo-Händler und fragte nach dem Fahrzeugschein. Ich erklärte, dass ich diesen ursprünglich dem Abschleppunternehmer (ebenfalls von Volvo beauftragt) mitgeben wollte, dieser jedoch meinte, er benötige ihn nicht.

Noch am selben Tag erhielt der Händler den Fahrzeugschein umgehend per Scan von einem Kollegen.

Was auffällt: Man kann durchaus annehmen, dass das Fahrzeug in dieser Woche unangetastet auf dem Hof stand. Zwei Tage nach diesem Erstkontakt erhielt ich über die Volvo-App die Meldung, dass die Fahrzeugtür geöffnet wurde – offenbar der erste echte Zugriff.

Aus Erfahrung vermute ich, dass – wie beim Audi – der AC-Onboard-Lader betroffen ist. Doch bevor ein Teil bestellt werden darf, muss formal diagnostiziert werden. Diese Phase ist in der Praxis oft reine tote Zeit: Das Fahrzeug steht, nichts passiert.

So relativiert sich die anfänglich perfekte Erfahrung:
Der zentrale Volvo-Support ist hervorragend – doch auf Händlerebene kann auch hier wertvolle Zeit verloren gehen.


Fahrstory: Effizienz vs. SUV-Realität

Der Unterschied der Fahrzeuge zeigt sich auch im Alltag:

  • e-tron GT RS: flach, niedriger CW-Wert, sehr effizient. Selbst bei 120–140 km/h im Efficiency-Modus erstaunlich sparsam.
  • EX90: großes SUV, hoch gebaut. Auf einer Fahrt nach Brno und Prag bei ca. 0 °C lag der Verbrauch bei Tempomat 100–115 km/h nie unter 30–31 kWh/100 km.

Das ist kein Mangel – sondern Physik. Aber es zeigt, wie stark das Fahrzeugkonzept den Alltag prägt.


Fazit

Technische Defekte passieren – gerade bei komplexen Systemen. Entscheidend ist nicht, ob etwas ausfällt, sondern wie man sich als Kunde dabei fühlt.

  • Audi braucht Eskalation, liefert dann aber echten Premium-Service
  • Volvo startet hervorragend, verliert aber auf Händlerebene Zeit

Am Ende entscheidet nicht die Marke, sondern die Kette aus Mensch, Prozess und Organisation, ob ein Problem als „ärgerlich, aber gut gelöst“ oder als „zäh und nervig“ in Erinnerung bleibt.


Austausch

Wenn du ähnliche Erfahrungen hast oder Fragen zu AC-Ladern, Reichweite oder Elektromobilität im Alltag:
Schreib mir gerne eine E-Mail. Je nach Anliegen teile ich meine Erfahrungswerte oder tausche mich gerne weiter aus.

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